Zum Torre Bennistra

April 2025

Wer entlang der Nordküste Siziliens Richtung Westen segelt, passiert zwangsläufig den Golf von Castellamare. Die Westseite der großen Bucht wird von einer langen Halbinsel gebildet, deren nördliches Ende ein großer Leuchtturm markiert:

Der Leuchtturm von San Vito lo Capo

Wenn allerdings der Mistral bläst, tut man sich schwer, nach Westen voranzukommen, da sich die Wellen auf der freien Wasserfläche zwischen Sardinien und Sizilien über hunderte Kilometer aufschaukeln. Dann ist es angenehmer, einen der Häfen im Golf von Castellamare aufzusuchen.

Sicher (und vergleichsweise günstig) liegt man im großen Hafenbecken von Balestrate auf der Südostseite der Bucht:

Blick über das Hafenbecken von Balestrate. Links und rechts hinten im Bild sieht man das westliche bzw. das östliche Ende des Golfs von Castellamare .

Hier bekommt man wahrscheinlich auch in der Hochsaison noch einen Liegeplatz. Allerdings hat Balestrate außer einem Bahnanschluss nach Palermo nicht viel zu bieten.

Interessanter ist der namensgebende Ort Castellamare del Golfo am südwestlichen Ende. Wie bereits in einem anderen Bericht beschrieben, kann man von hier den berühmten Tempel von Segesta besuchen. Im Folgenden wird ein Landausflug zum Torre Bennistra oberhalb von Scopello und ins Naturschutzgebiet Zingaro beschrieben.

Der Torre Bennistra oberhalb des Golfs von Castellamare

Der Startpunkt Castellamare del Golfo wird, wie der Name schon sagt, von einem Kastell geprägt, das direkt am Ufer auf der Ostseite des kleinen Hafens liegt. Hier ist man durch eine lange Mole gut gegen Wind und Welle aus Westen und Norden geschützt.

Blick auf Castellamare del Golfo vom großen Hafenbecken aus. Auf der östlichen Seite liegt das kleine Kastell, auf der Westseite findet man mehrere Stege zum Anlegen.

Die vorgeschlagene Radtour hat eine Länge von knapp 30km. Hin und zurück sind insgesamt etwa 600hm zu bewältigen, zzgl. einer kleinen Wanderung.

Die vorgeschlagenen Route an der Westseite des Golfes von Castellamare. Die GPX-Daten liegen hier.

Gleich zu Anfang führt die Route steil bergan, erst durch den Ort und dann in mehreren Kehren hoch am westlichen Ufer des Golfes. Der Blick auf Castellamare entschädigt für die Anstrengungen:

Blick auf Castellamare del Golfo

An der zweiten Kehre trifft man auf die große Straße Richtung Trapani. Hier muss man wegen des vielen Verkehrs für einige Kilometer gut aufpassen und sich nicht von der schönen Aussicht ablenken lassen. Kurz vor Ende des Anstiegs wird ein Rastplatz erreicht, von wo aus der gesamte Golf betrachtet werden kann.

Endlich oben! Auf der anderen Seite des Bucht sieht man beim genauen Hinsehen die große Mole von Balestrate.

Wenige Kilometer weiter zweigt man nach rechts auf eine kleine Straße Richtung Scopello ab und schaut dabei entlang der Halbinsel Richtung Norden:

Blick entlang der Halbinsel von Scopello nach Norden. Dort, wo der kleine rote Strich hinzugefügt ist, liegt der Torre Bennistra.

Jetzt geht es angenehm bergab bis ans Wasser und dann wieder sanft ansteigend bergauf. Bei einem großen Parkplatz für die vielen Gäste, die Scopello im Sommer besuchen, biegt man links ab und gelangt auf einen Feldweg zum Torre Bennistra.

Die letzten Meter vor dem Ziel. Hier stellt man die Räder besser ab und läuft den Rest des Anstiegs.

Der Turm aus dem 16. Jhdt. diente wie viele dieser Bauwerke entlang der sizilianischen Küste als Frühwarnsystem gegen Überfälle der Barbaresken aus Nordafrika. 2015 wurde die Ruine renoviert. Leider sind die Informationstafeln nach 10 Jahren kaum noch lesbar.

Der Ausblick von oben reicht im Norden bis zur 40 Seemeilen entfernten Insel Ustica, im Bild unten rechts am Horizont:

Richtung Osten schaut man von oben auf das nächste Ziel, den historischen Ort Scopello. Auf der anderen Seite des Golfes liegt das markante Kap Gallo.

Im Süden sieht man den Teil der Halbinsel, der bereits mit dem Rad bewältigt worden ist. Dahinter ragen die steilen Berge in der Mitte Siziliens auf.

Scopello ist ein sogenannter „Baglio“, ein befestigtes Landgut. Das malerische Zentrum aus dem 17. Jhdt. bildet einen allseits umbauter Platz, den man durch ein breites Tor erreicht:

Der Eingang des Baglio von Scopello

Zahlreiche Bars und Restaurants laden zu einer Rast ein, bevor die Tour weitergeht, nur wenige Kilometer Richtung Norden bis zum Eingang der „Riserva Naturale dello Zingaro“. Dieses Naturschutzgebiet erstreckt sich entlang der Ostseite der Halbinsel, fast über das gesamte Ufer von Scopello bis nach San Vito lo Capo.

In den 70er Jahren sollte hier eine Uferstraße in den Fels gesprengt werden. Dagegen regte sich jedoch großer Widerstand der Bevölkerung und so wurde 1981 anstelle der Straße das erste Naturschutzgebiet auf Sizilien eingerichtet. Diese Entstehungsgeschichte kann man auf einem Wanderweg entlang der Küste unmittelbar nachvollziehen, denn er beginnt mit einem kurzen Tunnel der geplanten Straße, bevor er sich wenige Meter weiter auf einen schmalen Pfad reduziert.

Der erste und einzige Straßentunnel im Natuschutzgebiet Zingaro

Im weiteren Verlauf des Pfades geht es auf und ab entlang der Küste, immer wieder mit Abzweigungen nach unten in kleine Badebuchten:

In kleinen Häusern entlang des Weges sind Museen eingerichtet, die beispielsweise über die Flora und Fauna des Gebiets oder über die Gewinnung von Manna informieren, einem Saft aus Eschenrinde, der früher hier gewonnen wurde, und dem heilende Wirkung nachgesagt wurde.

Irgendwann wird man auf diesem Weg umkehren müssen, denn die Fahrräder mussten am Eingang zum Naturschutzgebiet stehenbleiben. Hier der Blick vom Fußpfad in Gegenrichtung, zurück Richtung Süden:

Wieder auf dem Rad empfiehlt es sich nach wenigen Kilometern links zum Ufer, Richtung „Tonnara di Scopello“, abzubiegen, sei es um dort noch eine Pause einzulegen (wofür man allerdings Eintritt zahlen muss) oder einfach, um die schöne Aussicht auf die Felsen von der Straße aus genießen.

Blick auf die Tonnara von Scopello, eine stillgelegte Thunfischfabrik

Dann geht es auf derselben Strecke wie auf dem Hinweg zurück nach Castellamare del Golfo, wo zahlreiche Restaurants zu einem verdienten Abendessen einladen.

Und wenn das Wetter es zulässt, kann man an einem der nächsten Tage die Halbinsel von Scopello entlangsegeln und die Eindrücke vom Wasser aus mit denen vom Land aus abgleichen.

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