Die Insel Marettimo liegt etwa 20 Seemeilen westlich von Trapani vor der Westspitze Siziliens. Hier ist man gefühlt am Ende der Welt, zumeist umgeben von viel Wind und Welle. An der Nordspitze der Insel ragt ein steiler Fels mit einer kleinen Burg auf:

Hier könnte Luke Skywalker wohnen, hätte er nicht eine noch rauere Zuflucht auf der Insel Skellig Michael gefunden.

Dabei hat Marettimo eigentlich einen ganz anderen Charakter. Die Ostseite der Insel ist mit einem dichten grünen Wald bedeckt, zu dessen Füßen die weißen, würfelartigen Häuser des einzigen Ortes auf der Insel liegen:

Hier findet sich auch ein kleiner Hafen, der in der Hauptsaison von vielen Yachten angelaufen wird. Gut geschützt liegt man dort gegen Winde aus fast allen Richtungen. Nur wenn der Scirocco aus Süden bläst, wird es unangenehm, weil die Welle dann ungebremst in das Hafenbecken läuft.
Ein Fahrrad braucht man in Marettimo nicht, denn der kleine Ort ist schnell zu Fuß erkundet:

Jenseits des Ortes gibt es nur noch Fußwege. Einer davon führt nach Norden zu der bereits oben gezeigten Burg auf der Punta Troia, die man bereits vom Hafenort in der Ferne sehen kann:

Im Folgenden wird eine Wanderung vom Hafen zur Punta Troia beschrieben. Der Weg und das Ziel liefern nicht nur tolle landschaftliche Eindrücke, sondern auch Einblicke in die Geschichte der Insel, die vor mehr als zweitausend Jahren Schauplatz einer entscheidenden Seeschlacht gewesen ist.
Die Länge des Weges sollte man nicht unterschätzen, 8 Kilometer sind es hin und zurück mit etwa 600 Höhenmetern. Dabei liegt der größte Teil der Strecke in der prallen Sonne, außer man startet am Spätnachmittag. Dann muss man aber den Rückweg im Dunkeln zurücklegen, was in Anbetracht der Absturzgefahr an manchen Stellen nicht zum empfehlen ist.
Nach einem kurzem Abschnitt am Ufer verläuft der Pfad durch ein Kiefernwäldchen.

Weiter geht es, immer höher über den Klippen. Kleine, scharf eingeschnittene Täler müssen passiert werden:

Kurz danach ist der höchste Punkt des Weges erreicht. Das Ziel liegt deutlich tiefer und scheint ganz nahe:

Allerdings verliert man im weiteren Verlauf die gesamte Höhe, um danach den eigentlichen Fels mit der kleinen Burg erklimmen zu müssen. Wenn oben auf der Mauer plötzlich Luke Skywalker erschiene, wäre man nicht überrascht.

Die Burg auf dem Gipfel ist jedoch nicht von einem alternden Jedi-Ritter erbaut worden, sondern erstmals von den Arabern bei ihrer Eroberung Siziliens im 9. Jhdt. Später haben die Normannen und die in Sizilien lange herrschenden Spanier die Burg erweitert. Im späten 18.Jhdt. diente sie als Gefängnis für Revolutionäre, die die Herrschaft der Bourbonen über Sizilien bekämpft haben. In winzigen Kerkern, die in eine alte Zisterne eingebaut worden waren, wurden sie jahrelang festgehalten.
Informiert wird man darüber in einem kleinen Museum, das in der Hochsaison von Freiwilligen betreut wird, die gerne Auskunft geben. Eines der spektakulärsten Ausstellungsstücke verweist auf dramatische Ereignisse lange vor dem Bau der Burg:

Im Jahr 241 v. Chr. fand im Seeraum zwischen Marettimo und Levanzo die entscheidende letzte Seeschlacht zwischen der karthagischen und der römischen Flotte statt. Über 20 Jahre dauerte da schon der erste Punische Krieg zwischen den beiden Großmächten im westlichen Mittelmeer.
Ziel der Karthager war der Entsatz der belagerten karthagischen Garnison in Erice . Dazu hat sich die karthagische Flotte von Karthago kommend zunächst auf der Ostseite von Marettimo (in der Antike Hiera) gesammelt. Ein Plakat im Museum zeigt den weiteren Ablauf der Ereignisse, wie er heute von Historikern rekonstruiert wird.

Die römische Flotte hat auf der Ostseite von Levanzo (in der Antike Phorbania) geankert und dann die karthagischen Schiffe nördlich der Insel angegriffen. Die Schiffe aus Karthago waren völlig überladen und die Besatzungen schlecht ausgebildet. So endete die Schlacht mit einem Desaster für Karthago, das daraufhin bereit war, auf sämtliche Gebiete in Sizilien zu verzichten. In einem Museum in einer alten Thunfischfabrik auf Favignana sind zahlreiche weitere Rammsporne versenkter Galeeren zu besichtigen.
Zum Glück ist das Meer unterhalb der Burg heute weitaus friedlicher. Auf beiden Seiten der kleinen Landzunge, die den Felsvorsprung mit der Insel Marettimo verbindet, hat die Naturschutzbehörde Bojen ausgelegt, an denen Boote festmachen können, ohne das Seegras auf dem Meeresboden mit dem Anker zu beschädigen.


Der Rückweg zum Hafen ist anfangs leichter, da es zuerst bergab geht. Dann müssen jedoch noch einmal 200 Höhenmeter erklommen werden, bevor diese Aussicht erreicht wird:

Wer jetzt noch Wasser in der Trinkflasche hat, ist im Vorteil, denn es zieht sich ganz ordentlich, bis man schließlich das erste Café am Ortseingang erreicht. Dort wird man gut verpflegt und kann die Eindrücke der Landschaft und der Geschichte Marettimos auf sich wirken lassen.
Und wenn die Insel am nächsten Tag allmählich im Kielwasser verschwindet, verbleiben hoffentlich langandauernde Erinnerungen an das schöne Marettimo.

